Wo soll das zukünftige Endlager sein?

Wie funktioniert die Standortsuche?

Nach 70 Jahren Atomkraft in Deutschland und 50 Jahren Benennung des Salzstocks Gorleben als Endlagerstandort startete das Standortauswahlverfahren für ein Endlager für hoch radioaktive Abfälle im Jahr 2017 neu. Dem vorausgeschaltet war die Verabschiedung eines Standortauswahlgesetzes im Jahr 2013 und die Beratungen der Kommission Lagerung hoch radioaktiver Abfälle.

Ursprünglich nur für hoch radioaktive Abfälle gedacht, soll inzwischen laut Nationalem Entsorgungsprogramm am selben Standort ein weiteres Endlager für diejenigen schwach- und mittelradioaktiven Abfälle errichtet werden, die nicht in Schacht KONRAD endgelagert werden können. Dieses Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle muss vom Volumen her doppelt so groß werden, wie das für hochradioaktive Abfälle. Sollte sich im Laufe des Standortauswahlverfahrens zeigen, dass die Errichtung eines zusätzlichen Endlagers für größere Mengen schwach- und mittelradioaktiver Abfälle am Standort des Endlagers für hochradioaktive Abfälle nicht möglich sei, soll ein weiterer Standort gesucht werden.

Das Standortauswahlverfahren umfasst drei Phasen: Phase 1 – Ermittlung von Teilgebieten (Teil 1) und Standortregionen (Teil 2), Phase 2 – übertägige Erkundung, Phase 3 – untertägige Erkundung. Die Untersuchungen werden von der Bundesgesellschaft für Endlagerung mbH (BGE) durchgeführt, die Prüfung der Unterlagen und die Organisation der Öffentlichkeitsbeteiligung liegen beim Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BaSE). Am Ende jeder Phase beschließt der Deutsche Bundestag über die vorgelegten Empfehlungen.

Parallel wurde ein Nationales Begleitgremium eingerichtet: Seine Aufgabe ist die vermittelnde und unabhängige Begleitung des Standortauswahlverfahren, insbesondere die Öffentlichkeitsbeteiligung mit dem Ziel, so Vertrauen in die Verfahrensdurchführung zu ermöglichen.

In einem ersten Schritt wurden alle deutschen Bundesländer und alle Regionen in die Suche einbezogen. Die Gebiete wurden zunächst auf Basis von vorhandenen geologischen Daten auf ihre Eignung untersucht. Allerdings wurden keine fehlenden Daten ergänzt. Anhand von Ausschlusskriterien wie Erdbebengefahr, Vulkanismus oder Schädigungen des Untergrundes durch Bergbau ermittelte die Bundesgesellschaft für Endlagerung mbH (BGE) welche Teilgebiete aus der weiteren Betrachtung herausfallen.

Im nächsten Schritt werden die Regionen ermittelt, die alle fünf Mindestanforderungen erfüllen: Gebirgsdurchlässigkeit (kleiner als 10−10 m/s), Mächtigkeit des einschlusswirksamen Gebirgsbereiches (mindestens 100 m), minimale Teufe des einschlusswirksamen Gebirgsbereichs (mindestens 300 m unter der Erdoberfläche), ausreichende Fläche des Endlagerbereiches, Integrität des einschlusswirksamen Gebirgsbereiches.

Am 28.09.2020 hat die BGE einen Zwischenbericht Teilgebiete veröffentlicht. Darin wurden noch 54 Prozent der Landesfläche mit 90 Teilgebieten als potenziell endlagertauglich bewertet. Vom 17.10.2020 bis 7. August 2021 fanden vier Termine der Fachkonferenz Teilgebiete statt, auf der die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) ihren Zwischenbericht Teilgebiete erörterte.

Der nächste Schritt der BGE ist die Ermittlung von wenigen Standortregionen. Dazu sollen für alle 90 Teilgebiete repräsentative vorläufige Sicherheitsuntersuchungen (rvSU) durchgeführt werden. Beginnend im Herbst 2024 veröffentlicht die BGE einmal jährlich Arbeitsstände. Im November 2024 waren laut BGE noch 44 Prozent der Fläche Deutschlands im Rennen, im November 2025 noch 25 Prozent. Die Bundesländer Saarland und Rheinland-Pfalz weisen laut BGE keine geeigneten Flächen auf.

Bis Ende 2027 will die BGE fünf bis zehn Regionen in Deutschland vorschlagen, die im Vergleich zu allen anderen Regionen in Deutschland am besten abgeschnitten haben. Diesen Vorschlag muss das Bundesamt für die nukleare Sicherheit prüfen und dem Bundestag zur Beschlussfassung vorlegen. An diesen Standorten werden zudem im 1. Halbjahr 2028 Regionalkonferenzen eingerichtet, die sechs Monate Zeit haben, Nachprüfaufträge zum Vorschlag der BGE auszulösen.

An den verbleibenden, vom Bundestag beschlossenen Standorten soll dann in Phase 2 durch übertägige Erkundungen weiter geprüft werden, welcher Standort die beste Sicherheit bietet.

Laut Gesetz sollte die Standortbenennung im Jahr 2031 erfolgen. Daran sollte sich der Bau des Endlagers bis ca. 2050 anschließen. Am 28.10.2022 legte die BGE allerdings einen neuen Zeitplan vor. Darin wird nunmehr eine Zeitspanne vom Jahr 2046 bis zum Jahr 2068 für das gesamte Verfahren bis zur Standortbenennung benannt, je nachdem, wie viele Standorte untertägig erkundet werden sollen.

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