Schacht KONRAD ist ein altes Eisenerzbergwerk das als Endlager für schwach und mittelradioaktive Abfälle nachgenutzt werden soll. Die Voruntersuchungen starteten 1976, der Planfeststellungsantrag wurde am 31.08.1982 eingereicht.
Von 1991 bis 1998 griffen Bundesumweltminister Töpfer und Bundesumweltministerin Angela Merkel mehrmals entscheidend per bundesaufsichtlicher Weisung in das KONRAD-Verfahren ein. 1999 beteuerten sowohl Bundesumweltminister Trittin als auch Landesumweltminister Jüttner öffentlich, dass Schacht KONRAD nicht genehmigungsfähig sei. Trotzdem stoppten sie das Projekt nicht, sondern schoben sich gegenseitig die Verantwortung zu. Im Konsensvertrag der rot-grünen Bundesregierung mit den Energiekonzernen am 14.06.2000 wurde die Genehmigung von Schacht KONRAD festgeschrieben.
Am 25.05.2002 wurde Schacht KONRAD genehmigt für 303.000 m3 radioaktive Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung. Sowohl die Menge der einzelnen Radionuklide als auch von 94 wassergefährdenden Stoffen ist begrenzt. Längst ist klar, dass aufgrund dieser Begrenzungen nicht einmal die Hälfte der angefallenen und anfallenden Abfälle mit „geringer Wärmeentwicklung“ in Schacht KONRAD eingelagert werden könnten, sollte er tatsächlich in Betrieb gehen. Außerdem entspricht das Projekt in keiner Weise dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik.
Die Sicherheitsanforderungen für die Endlagerung schwach- und mittelradioaktiver Abfälle wurden seit 1983 nicht aktualisiert. Konkret heißt dies, dass nach derzeitiger Rechtslage Einzelpersonen durch die radioaktiven Abfälle, die in Schacht KONRAD eingelagert werden sollen, im Nachweiszeitraum mit einer effektiven Jahresdosis von 300 Mikrosievert/Jahr belastet werden dürfen. Bei dem künftigen Endlager für hochradioaktive Abfälle darf die Jahresdosis nur bei 100 Mikrosievert/Jahr bzw. in bestimmten Fällen sogar nur bei 10 Mikrosievert/Jahr liegen. Die Langzeitsicherheitsberechnungen KONRAD haben ergeben, dass eine Dosis von 260 Mikrosievert/Jahr auftreten kann. Würden die Sicherheitsanforderungen für hochradioaktive Abfälle auf Schacht KONRAD angewendet, dürfte Schacht KONRAD nicht in Betrieb gehen.
Seit 2007 wird die alte Eisenerzgrube zum Atommülllager umgebaut. Damals ging man von einer 5 jährigen Umbauphase aus. Inzwischen ist von einer Inbetriebnahme Anfang der 2030er Jahre die Rede. Im Oktober 2024 reichten die Umweltverbände BUND und NABU Klage auf Aufhebung des Planfeststellungsbeschlusses ein. Im April 2025 berichteten das Magazin Plusminus und die Tagesschau, dass nach geltender Rechtslage keine Einlagerung von Atommüll in Schacht KONRAD erfolgen könne, da die Bestimmungen der wasserrechtlichen Erlaubnis nicht eingehalten werden würden.
Weiterführende Webseiten:
- Das Archiv Deutsches Atomerbe hat im Rahmen eines Projekte Unterlagen zu Schacht KONRAD von 1982 bis 1993 erschlossen und digitalisiert: „Endlagerprojekt Schacht KONRAD – Digitalisierung relevanter Unterlagen des Genehmigungsverfahrens und der gesellschaftlichen Auseinandersetzung im Zeitraum 1982 bis 1993“
- Arbeitsgemeinschaft Schacht KONRAD e.V.
- Genehmigungsbehörde bis zur Inbetriebnahme: Niedersächsisches Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz
- Genehmigungsbehörde nach Inbetriebnahme und atomrechtliche Aufsichtsbehörde: Bundesamt für die Sicherheit der kerntechnischen Enstorgung
- Betreiber: Bundesgesellschaft für Endlagerung mbH (BGE)
- Ehemaliger Betreiber: Unterlagen des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) bis 2017
