Elternverein Restrisiko Emsland e.V. übergibt seine Bestände

Bericht: Marianne Neugebauer

Am 22. August 2025 waren wir mit dem ehemaligen langjährigen Vorsitzenden des Elternvereins Restrisiko Emsland e.V., Gerd Otten, sowie dem aktuellen Vorsitzenden Peter Diehl verabredet, um die wichtigen Dokumente und Materialien des 1987 gegründeten Vereins für das Archiv Deutsches Atomerbe e.V. mitzunehmen.

Mit der Archivierung wird auch dieses bedeutsame Vermächtnis der deutschen Anti-AKW-Bewegung dort als Bestand geführt, so dass die interessierte Öffentlichkeit, Wissenschaftler:innen, Historiker:innen und vor allem künftige Generationen auf diese fast einmalige Arbeit im Kontext der Anti-AKW-Bewegung Zugriff haben werden.

In einem Interview, das die Ems-Vechte-Welle 2022 mit Gerd Otten führte, als er sein Amt nach 35 Jahren als Vorsitzender des Vereins aufgab, stellte er eindrücklich die Geschichte des Vereins und sein persönliches Engagement dar. Gerd Otten ist für viele im Emsland und darüber hinaus das Urgestein der Anti-Atomkraft-Bewegung im Emsland und war zum Zeitpunkt des Interviews 75 Jahre alt.
Gerd Otten legt nach 35 Jahren Amt im Elternverein „Restrisiko Emsland“ nieder – Ems Vechte Welle

Die Reaktorkatastrophe in Tschernobyl war 1986 der Auslöser, um im Februar 1987 den „Elternverein Restrisiko Emsland“ zu gründen, der zwei Jahre später bereits 240 Mitglieder hatte und schnell bis auf 400 Mitglieder anwuchs. 
Dazu: Die Lingener Antiatomkraftbewegung – Heimatverein Lingen

Der Elternverein machte sich die Bekämpfung von Gesundheitsschäden durch Radioaktivität -vor allem bei Kindern – zur Aufgabe und begann, eine unabhängige Strahlenmessstelle in den Räumlichkeiten des Elternvereins aufzubauen. Dafür wurden Geräte im Wert von 70.000 DM angeschafft, um auf wissenschaftlicher Basis Lebensmittel und andere Proben auf ihren Anteil an Radioaktivität messen zu können, um die Menschen in der Region Emsland über bestehende Belastungen zu informieren und Entscheidungshilfen bei der Nahrungsmittelauswahl geben zu können.
Im Emsland (vom nördlichen Papenburg bis zum südlichen Bersenbrück) wurden dazu sechs Sammelstellen vom Elternverein initiiert bzw. eingerichtet, wo die Lebensmittel abgegeben werden konnten.

Für die Durchführungen der Messungen wurden u.a. Bleiburg und Waage angeschafft, um das radioaktive Cäsium in den Lebensmitteln zu messen. Die Ergebnisse aus den umfangreichen Messprotokollen wurden wöchentlich in der Mitgliederzeitung veröffentlicht. Der Erwerb eine Faltvorrichtung erleichterte die Erstellung der Mitgliederzeitung.

1990 wurde der Verein mit dem Umweltpreis der Stadt ausgezeichnet.

Auch diese Transportfahrt für das Archiv Deutsches Atomerbe war ehrenamtlich – von Friesland nach Lingen und zurück und dann letztendlich ins Archiv nach Salzgitter.

Und sie hallte bei den beiden ‚Abholern‘ noch lange nach, denn sie hatten intensiv einen weiteren wichtigen Teil der Aufklärungs- und Widerstandsarbeit gegen die Nutzung der Atomenergie in der Bundesrepublik an diesem Nachmittag geschildert bekommen. Bei der Übergabe waren das große Engagement und ‚Herzblut‘ spürbar, die Gerd Otten lange Jahre angetrieben haben, so dass er bis in das Jahr 2022 als Kritiker der Atomkraft immer wieder als Redner zu hören war und ein wichtiger Vertreter bzw. Gesicht des Widerstandes gegen die Atomanlagen im Emsland war und ist.
Und jetzt – 78jährig – hofft er und ist ebenso überzeugt, dass der notwendige Protest auch in Lingen von anderen engagiert weitergeführt wird.

Mit dieser Abholung wurde den ‚Transporteuren‘ selbst auch noch einmal deutlich, warum sie Mitglied im Archivverein sind, der ihr Engagement braucht, und auch Spenden und weitere Mitglieder, damit unsere gemeinsame Anti-Atom-Geschichte gesichert und bewahrt werden kann.