Fundstück November 2023

Signatur: S-8-7

Schleche Karten mit URENCO

Skatfreundinnen und -freunde kennen das: Um zu gewinnen braucht mensch guten Karten, Können und manchmal auch ein Quentchen Glück. Gewinnen kann man vielleicht auch mit den Karten, die Urenco als Werbegeschenke unters Volk bringt. Mit Urenco selbst kann man aber nur verlieren. Die Urenco (Uranium Enrichment Company) ist u.a. dafür verantwortlich, dass der Atomausstieg in Deutschland noch nicht vollständig geschafft ist.

Zwar sind die Atomkraftwerke zur Stromerzeugung seit 15. April 2023 abgeschaltet, aber die Urananreicherungsanlage in Gronau, die von Urenco betrieben wird, läuft weiterhin. Sie produziert mit ihrer Zentrifugentechnologie angereichertes Uran (mit bis zu 5 % Anreicherung) für Atomkraftwerke weltweit.

Der trilaterale Konzern  ist zu je einem Drittel im Besitz von Großbritannien, den Niederlanden und Deutschland. Die deutsche Beteiligung gehört je zur Hälfte den Atomkraftwerksbetreibern RWE und Eon. Urenco stand jahrelang u.a. in der Kritik, weil sie die Reste des Anreicherungsprozesses – das abgereicherte Uranhexafluorid UF6 –  als „Wertstoff“ nach Russland exportiert hat und sich so seines Abfalls entledigt hat. Inzwischen hat Urenco nach eigenen Angaben wegen des Ukrainekriegs die Verträge mit Russland beendet. Bedeutsam ist die Zentrifugentechnologie von Urenco für den zivil-militärischen Bereich, weil damit auch Uran für Forschungsreaktoren mit einem Anreicherungsgrad von 19,75 % und sogar hochangereichertes Uran mit mehr als 20 % Anteil des spaltbaren Uran 235  hergestellt werden kann.